Erzählnachmittag vom 18. März 2025
Erzählnachmittag vom 18. März 2025
mit Karin Weiss-van Wieringen
Morgenstund hat Gold im Mund
Der Name van Wieringen war den meisten Gästen ein Begriff. Die Eltern von Karin zogen 1959 in die Schweiz. Die Mutter „Schwester Cobi“, ausgebildet als Kranken- und Kinderkrankenschwester arbeitete über zwanzig Jahre im Spital Richterswil. Der Vater arbeitete bei der Fa. Faes. Er war ein begeisterter Segler und engagierte sich unter Anderem im Wassersportverein.
Die Familie war mit dem Segelboot viel auf dem See. Die Bätzimatt bei Schmerikon am Ende des Obersee‘s aber auch das Inseli waren beliebte Ziele.
Die Erinnerung an die ersten Monate ihrer Eltern gaben einen amüsanten Einblick in die damalige Zeit. Man lebte zu Beginn bei einer Schlummermutter und durfte nur als Ehepaar an derselben Adresse wohnen. So haben die beiden dann über den Mittag geheiratet. Mit Erika, Fritz, Nils und Karin gingen vier Kinder aus der Ehe hervor. Einige amüsante Geschichten aus der Kindheit brachten die Gäste zum Schmunzeln.
Karin, als Jüngste ist beruflich in die Fussstapfen ihrer Mutter getreten. Die Freude am Beruf ist noch immer ungebrochen.
Spannend war die Aufzählung, was sich in den letzten Jahrzehnten alles verändert hat. Während einige Dinge Erleichterungen für die Arbeit ergaben (von mechanischen zu elektronischen Betten, von normalen zu Fixleintücher, weniger Patienten pro Zimmer) sind andere Dinge eindeutig dem steigenden Kostendruck geschuldet. So findet die Arztvisite weitgehend auf dem Gang statt, Patienten werden oft zu früh entlassen, Verbrauchsmaterial muss peinlichst genau erfasst werden. Auch der Wechsel der Berufsbezeichnung von Krankenschwester zu Pflegefachfrau hat für beide Seiten keine Verbesserungen gebracht. Im Gegenteil wurde die für Patienten verfügbare Zeit immer geringer. Der Film „Die Heldin“ zeigt eindrücklich mit welchen Herausforderungen das Pflegepersonal konfrontiert ist. Nur gerade eine Szene zeigt die für die Patienten so wichtige Zuwendung.
Als Wund- und Stoma-Beraterin ist Karin für ihre PatientInnen eine wichtige Bezugsperson. Zuhören und manchmal auch trösten können sind wichtige Voraussetzungen. Hie und da braucht es aber auch eine gewisse Strenge. Auch in der Wundversorgung wurden im Verlaufe der Jahre grosse Fortschritte erzielt. Mit einer Kombination aus älteren und modernen Methoden ist man heute sehr gut unterwegs.
Rudern
Die Geschichte, wie Karin als 8-jährige zum Rudern kam ist ebenfalls sehr amüsant. Weil der Seeclub neben der Badi war, wurde sie darauf aufmerksam. Rudern war damals noch den Knaben vorbehalten. Trotzdem schaffte sie es auf die Startliste und hat ihr erstes Rennen sogleich gewonnen. Zusammen mit ihrer Schwester hat sie das Rudern viele Jahre als Leistungssport betrieben.
Heute bildet das Rudern einen wichtigen Ausgleich zum Beruf. Auf dem Wasser könne sie ihren Gedanken nachgehen, die Natur oder meteorologische Stimmungsbilder aufsaugen. Seit vielen Jahren ist der Fotoapparat ein ständiger Begleiter. Die Stunden auf dem Wasser entschädigen für den strengen Berufsalltag.
Mit wunderschönen Stimmungsbildern nahm Karin die Gäste mit auf den See. Sie ist sowohl mit dem Obersee als auch mit dem Zürichsee gut vertraut und kennt die Orte, wo man bei einem aufziehenden Gewitter an Land gehen kann. Die Melodie „Morning has broken“, unterlegt mit weiteren schönen Fotos bildete den Abschluss ihres Vortrages.